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Das FrĂŒhstĂŒck: Die g’scheite Unterlage fĂŒr den Tag
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Das FrĂŒhstĂŒck

Die g’scheite Unterlage fĂŒr den Tag

Guten Morgen!

Meine Mutter hat mich angelogen. Sie sagte: „MĂ€dchen können alles werden – wie die Buben.“ So einfach ist es leider nicht. Denn MĂ€nner organisieren sich noch immer besser, helfen einander und decken sich, wenn es darauf ankommt. In MĂ€nnerbĂŒnden, geheimen Bruderschaften – oder im Weinkeller.


Dort werden Allianzen geschmiedet, Posten verteilt und Frauen herabgesetzt. Walter Ruck, PrĂ€sident der Wiener Wirtschaftskammer, hat einen Weinkeller – und ein Schloss mit Weinsammlung obendrein. Sein Pech: Wir kennen das Protokoll eines solchen MĂ€nnerabends.


Noch klebt Ruck an seinem Sessel. Ausgerechnet Frauen, ĂŒber die er gespottet hat, verteidigen ihn. Das zeigt, wie stabil solche Systeme sind: Sie funktionieren, weil viele mitspielen.


Immerhin scheint nun auch an der Spitze von ÖVP und Wirtschaftskammer angekommen zu sein, dass es hier nicht um „flapsige Sager“, sondern um ein Machtproblem geht. Solche Netzwerke gehören aufgebrochen – damit ich meiner Tochter eines Tages denselben Satz sagen kann wie meine Mutter – nur ohne zu lĂŒgen.

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Heute auf der Karte

Hauptsache: Weinkellerkönig Walter Ruck muss vom Thron!

Tagesprogramm: Libanesischer PrĂ€sident bei Trump, GrĂŒne Kritik am Wiener Marktamt, Karner informiert ĂŒber Asylpolitik

PflichtlektĂŒre: Die Neos und die Illusion vom „Pink Pony Club“

Zahl des Tages: Mohammed ist nicht der hÀufigste Vorname in Wien, aber welcher sonst?

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HAUPTSACHE

Weinkellerkönig Walter Ruck muss vom Thron!

Anna Thalhammer

Schwer zu sagen, was schlimmer ist: das Verhalten von WKW-PrĂ€sident Walter Ruck – oder wie Frauen um ihn sein unterirdisches, sexistisches Machogehabe auch noch verteidigen. Das ist alles untragbar – das sieht mittlerweile auch der Kanzler.

Ich habe Bundeskanzler Christian Stocker MontagfrĂŒh auf Social Media als „fĂŒhrungsschwach“ bezeichnet. Beim Mittagessen musste ich mein Urteil zumindest teilweise revidieren.

profil hat gemeinsam mit der „Kronen Zeitung“ vergangene Woche schockierende GesprĂ€chsprotokolle veröffentlicht. Da prahlt der Wiener WirtschaftskammerprĂ€sident Walter Ruck bei Wein und Zigarre vor Selbstbewusstsein strotzend damit, wie er Politik macht, Posten verteilt und Macht organisiert.

Ruck schildert, wie er ĂŒber seinen Freund, den Wiener SPÖ-BĂŒrgermeister Michael Ludwig, seinem ÖVP-Parteifreund Manfred Juraczka einen Spitzenjob in der Wiener Wirtschaftsagentur verschafft habe. Er erzĂ€hlt, wie er einen Sohn nach oben geputscht habe und andere dazu gebracht habe, Platz zu machen. Mit seiner NĂ€he zur SPÖ prahlt er offen. Über die eigene Partei sagt er: „Weil die ÖVP spielt eh keine Rolle.“

Stockers Problem

In jeder halbwegs funktionierenden Partei wĂ€ren letztere Aussage ein Grund fĂŒr Hochkant-Rausschmiss. Ruck gehört formal zur Wiener ÖVP. Stocker wurde am Wochenende vom ORF auf die Causa angesprochen. Überrumpelt erklĂ€rte er zunĂ€chst, sie betreffe weder den Bund noch ihn als Kanzler. Formal mag das stimmen. Machtpolitisch ist Ruck selbstverstĂ€ndlich auch Stockers Problem. Wer eine Partei fĂŒhrt, kann nicht so tun, als gingen ihn Postenschacher, Machtmissbrauch und ein derart offen zur Schau getragenes PolitikverstĂ€ndnis innerhalb der eigenen Organisation nichts an.

Am Montag war Stocker plötzlich ausgeschlafen und fand deutliche Worte: „Die medial kolportierten Aussagen sind zutiefst irritierend und widersprechen dem Frauenbild und PolitikverstĂ€ndnis der Volkspartei“, sagt er. Und: „Sollten die VorwĂŒrfe der Wahrheit entsprechen, kann das nicht ohne Konsequenzen bleiben.“ Das ist immerhin eine Ansage – schauen wir, ob es dabei bleibt.

Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde: Wie sich Ruck auffĂŒhrt oder welche Schande fĂŒr den Feminismus die Frauen in seinem Umfeld sind. Ruck bekommt nĂ€mlich ausgerechnet von jenen Frauen RĂŒckendeckung, ĂŒber die er in den Protokollen besonders herablassend spricht. Stockholm-Syndrom?

Als er einen seiner Söhne politisch installieren wollte, wurde etwa Platz geschaffen, weil die Döblinger GemeinderĂ€tin und Wirtschaftskammer-VizeprĂ€sidentin Margarete Kriz-Zwittkovits auf ihr Mandat verzichtete. Ruck beschreibt das so: „Die Margarete hat auf ihr Mandat – sie hat den Befehl bekommen, sie hat salutiert und hat gesagt: Okay, ich verzichte. Und hat meinen Sohn vorgeschlagen und hat fĂŒr ihn gekĂ€mpft.“

Schande fĂŒr den Feminismus

Stellen Sie sich vor, Sie sind diese „Margarete“ und lesen, wie der eigene PrĂ€sident ĂŒber Sie spricht. Ich wĂŒrde ihn fragen, ob es ihm noch gut geht. Oder öffentlich klarstellen, dass man weder Befehle entgegennimmt noch salutiert. Oder einen Pflock einschlagen – fĂŒr die eigene WĂŒrde und fĂŒr all jene Frauen, die sich in solchen Apparaten behaupten mĂŒssen.

Kriz-Zwittkovits tickt anders.

„Zu den Berichten ĂŒber mein Nichtantreten kann ich festhalten, dass es dazu nie ein GesprĂ€ch mit Walter Ruck gab und dies meine freie Entscheidung war, nicht als Spitzenkandidatin zur VerfĂŒgung zu stehen“, erklĂ€rte sie. Gut, muss sie sagen. Alles andere wĂ€re noch peinlicher. Außerdem sprach sie von einer „Kampagne“ gegen Ruck und davon, dass es sich um eine „potenziell illegale“ Tonaufnahme handle.

Bemerkenswert ist immerhin, dass nun offenbar nicht bestritten wird, dass das GesprÀch stattgefunden hat. Als profil anfragte, klang das noch anders.

Kriz-Zwittkovits ist nicht die einzige Frau, ĂŒber die sich Ruck despektierlich Ă€ußerte. Eine Spartenobfrau wurde brutal abmontiert, die heutige Nationalratsabgeordnete Maria Neumann ohne Vorwarnung ausgebootet. Besonders deutlich zeigt sich Rucks Frauenbild darin, wie er ĂŒber die Wiener SPÖ-FinanzstadtrĂ€tin Barbara Novak spricht. Mit deren VorgĂ€nger Peter Hanke sei alles einfacher gewesen, meint er. Und: „Heast, ich will nicht mit einer Frau. Da kann ich nicht in den Weinkeller runtergehen, was ist des?“ Und weiter: „Meine Welt ist: Mit einer Zigarre mit dem Peter, wir haben eine Flasche Wein aufgemacht. Wir brauchen nicht lang, in einer Viertelstunde waren wir fertig mit dem Dienstlichen. Dann haben wir ein bissl privat geredet.“

Geht’s eigentlich noch?

Frauenversteher?

Kriz-Zwittkovits hat unseren Artikel gelesen. Sie weiß, was Ruck ĂŒber sie und andere Frauen gesagt hat. Trotzdem erklĂ€rte sie: „Wir wissen ja, dass MĂ€nner sich untereinander gern flapsig unterhalten.“

Flapsig? Nein. Hier geht es nicht um einen schlechten Witz unter MĂ€nnern. Es geht um ein MachtverstĂ€ndnis, das Frauen abwertet, Posten als persönliche VerfĂŒgungsmasse betrachtet und politische Institutionen wie einen privaten Freundeskreis behandelt.

Kriz-Zwittkovits behauptet außerdem, sie habe stets einen PrĂ€sidenten erlebt, der Frauen bewusst fördere. Ähnlich Ă€ußerte sich Verena Wiesinger, die Wiener Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft: „Es ist sehr wichtig, dass Walter Ruck in den vergangenen Jahren Frauen motiviert und gefördert hat, sich als FunktionĂ€rinnen fĂŒr ihre Branchen einzusetzen.“

Frauenförderung ist allerdings kein Freibrief fĂŒr Frauenverachtung. Wer einzelne Frauen in Funktionen hebt, darf deshalb noch lange nicht ĂŒber andere sprechen, als wĂ€ren sie gehorsame Statistinnen. Und wer Frauen tatsĂ€chlich fördert, sollte sie als eigenstĂ€ndige Akteurinnen respektieren – nicht als Personen, die angeblich „Befehle“ erhalten, „salutieren“ und bei Bedarf Platz machen.

Kriz-Zwittkovits – offenbar ein Stockholm-Syndrom habend – ging noch weiter: „Es ist kein Zufall, dass durch entschlossene Reformen die Wiener Wirtschaftskammer heute besser dasteht als je zuvor. Das alles ist dem jahrelangen Einsatz von Walter Ruck und seinem Team zu verdanken. Und diese Bilanz ist zehnmal stĂ€rker, als es flapsige Sager in einer MĂ€nnerrunde je sein könnten.“

Vielleicht braucht die Wiener Wirtschaftskammer nicht nur einen neuen PrĂ€sidenten, sondern auch eine neue VizeprĂ€sidentin. Denn wer derartige Aussagen verharmlost, beweist nicht LoyalitĂ€t, sondern mangelndes Urteilsvermögen. Wer sich hinter einen Mann stellt, der Frauen zu BefehlsempfĂ€ngerinnen degradiert, erweist anderen Frauen keinen Dienst. Er stabilisiert genau jenes System, in dem Frauen mitmachen dĂŒrfen, solange sie die Regeln der MĂ€nner akzeptieren.

Kaputte Kammer

Auch die Behauptung, die Wiener Wirtschaftskammer stehe besser da als je zuvor, ist schlicht faktischer Unfug. Gerade ist ein Rechnungshofbericht erschienen, der fĂŒr die WKW eher vernichtend ist. Hinzu kommen fragwĂŒrdige ImmobiliengeschĂ€fte, luxuriöse Umbauten, ein um Hunderttausende Euro zum „BĂŒro“ umfunktioniertes Schlösschen sowie eine Kultur der Protzerei und Selbstbedienung – bitte bedienen Sie sich etlicher profil-Stories, wenn Sie mehr wissen wollen, wir haben sie hier fĂŒr Sie gesammelt. Ruck ist nicht erst seit diesen GesprĂ€chsprotokollen ein Problem.

Die Wiener Wirtschaftskammer ist zu einem anachronistischen Machtapparat verkommen: teuer, intransparent und von FunktionĂ€ren geprĂ€gt, die ihre Institution offenbar fĂŒr Privateigentum halten. Zumindest der Bundeskanzler scheint den politischen Verwesungsgeruch inzwischen wahrzunehmen.  Mittlerweile ist ĂŒbrigens auch WKÖ-WirtschaftsprĂ€sidentin Martha Schultz von ihrem vorwöchigen Wanderausflug zurĂŒck – und hat sich am Weg vom Berg offenbar gut ĂŒberlegt, was sie zu Ruck (der sie seit ihrem Antritt nur arrogant von oben behandelt) sagen will: „Wir arbeiten derzeit mit großem Einsatz daran, die Wirtschaftskammer zu erneuern und verloren gegangenes Vertrauen Schritt fĂŒr Schritt zurĂŒckzugewinnen. Umso schwerer wiegen die im profil veröffentlichten Aussagen, weil sie den Reformprozess erheblich belasten“, lĂ€sst sie mich wissen. 

Und: „Die im profil veröffentlichten Aussagen haben der gesamten Wirtschaftskammerorganisation erheblichen Schaden zugefĂŒgt. Das habe ich Walter Ruck in einem persönlichen GesprĂ€ch auch unmissverstĂ€ndlich gesagt.“ Was nicht mehr nach salutieren klingt: „Ich gehe davon aus, dass er die richtigen Schritte setzen wird“, sagt sie. 

Übersetzt bedeutet das: RĂŒcktritt. 

Schauen wir mal, wer am Ende stĂ€rker ist: Die FĂŒhrung von ÖVP und WKÖ – oder die Wiener MĂ€nnermachtzirkel in Rucks Weinkeller. 

TAGESPROGRAMM

Was heute passieren wird

Libanesischer PrÀsident Aoun bei US-PrÀsident Trump

Vor dem Hintergrund der jĂŒngsten GesprĂ€che mit Israel reist der libanesische PrĂ€sident Joseph Aoun heute auf Einladung von US-PrĂ€sident Donald Trump nach Washington. Als Themen nannte Aouns BĂŒro die Lage im Libanon, Wege zur Festigung der Waffenruhe sowie die Sicherheit und StabilitĂ€t vor allem im SĂŒden des Landes und den RĂŒckzug Israels von libanesischem Gebiet.

VorwĂŒrfe gegen Marktamt-Leiter: Wiener GrĂŒne fordern weitere Konseqenzen

Der Leiter der Wiener Magistratsabteilung 59, dem Marktamt, Andreas Kutheil, hat seine Funktion am vergangegen Donnerstag zurĂŒckgelegt. Davor hatte der „Falter“ ĂŒber VorwĂŒrfe von Rassismus, Sexismus und Mobbing gegen ihn berichtet. Die Wiener GrĂŒnen geben heute eine Pressekonferenz zur Causa: „Die Causa MA59 zieht immer weitere Kreise – doch die politisch Verantwortlichen, allen voran BĂŒrgermeister Ludwig, bleiben untĂ€tig. Auch die FrauenstadtrĂ€tin schweigt zu den SexismusvorwĂŒrfen", kritisieren sie.

Innenminister zieht Bilanz ĂŒber Asylpolitik

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), Gruppenleiterin Elisabeth Wenger-Donig und der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Bundesagentur fĂŒr Betreuungs- und UnterstĂŒtzungsleistungen (BBU GmbH), Andreas Achrainer, prĂ€sentieren heute am Vormittag aktuelle Fakten und Entwicklungen zur Asylpolitik in Österreich.

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PFLICHTLEKTÜRE

Die Neos und die Illusion vom „Pink Pony Club“

Von Daniela Breơčaković

Prominente AbgĂ€nge, Unmut ĂŒber den FĂŒhrungsstil und miserable Ergebnisse in den LĂ€ndern – die Neos stecken in einer Krise. VerrĂ€t Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger die pinken Ideale?

Mehr lesen Sie hier →


SCHON GEHÖRT?

Ruck-Leaks: Kommt jetzt der RĂŒcktritt?

Walter Ruck, PrÀsident der Wiener Wirtschaftskammer, belastet sich in einem geleakten GesprÀchsprotokoll selbst. profil liegt es exklusiv vor: Es geht um Postenschacher, Machtmissbrauch und Sexismus. Mit profil-Wirtschaftschefin Marina Delcheva und profil-Digitalchef Jakob Winter.

Zum Podcast →

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ZAHL DES TAGES

901

Von Aaron bis Zohan unterscheidet die Statistikbehörde in Wien 901 verschiedene Vornamensschreibweisen. ServusTV berichtete, dass Mohammed mittlerweile der hÀufigste Name sei. Doch das stimmt nicht.

Zum Faktencheck →

ZITAT DES TAGES

„Die Menschen im Iran verfluchen Trump“

Arash

Iranischer Oppositioneller

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran ist neu entbrannt.
Der iranische Oppositionelle Arash erzĂ€hlt von seiner EnttĂ€uschung ĂŒber US-PrĂ€sident Trump, Hinrichtungen von Regimegegnern im Iran und vom Alltag in Teheran im fĂŒnften Kriegsmonat.

Mehr lesen Sie hier →

RANDOM FAKTEN

Meloni und Gramsci sind verwandt

Die rechtspopulistische MinisterprĂ€sidentin Italiens, Giorgia Meloni, ist eine sehr entfernte Verwandte des Linksintellektuellen und GrĂŒnder der Kommunistischen Partei Italiens, Antonio Gramsci. 

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