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Das FrĂŒhstĂŒck: Die g’scheite Unterlage fĂŒr den Tag
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Das FrĂŒhstĂŒck

Die g’scheite Unterlage fĂŒr den Tag

Guten Morgen!

Wir profil-Redakteure und -Redakteurinnen sind gerade viel außerhalb von Österreich unterwegs. Das liegt daran, dass wir einen EU-Podcast unter dem Titel „Schlacht um Europa“ gestartet haben. Meine Kollegin Franziska Tschinderle hat im EU-Drittland Albanien ein RĂŒckfĂŒhrungszentrum fĂŒr GeflĂŒchtete besucht.


Ich wiederum bin auch gerade im Ausland, gleichzeitig aber doch irgendwie zu Hause – nĂ€mlich in Bulgarien, wo ich geboren wurde. Hier gibt es die EU-Außengrenze zur TĂŒrkei. Sie soll FlĂŒchtlinge erst gar nicht passieren lassen, damit sie dann nicht in LĂ€nder wie Österreich oder Deutschland weiterziehen.


Ein strenger und effektiver Grenzschutz war die Bedingung fĂŒr den Schengen-Beitritt RumĂ€niens und Bulgariens. Und so schließt sich der Eiserne Vorhang in Form eines Grenzzauns wieder. Bewacht wird er mit allen Mitteln – manchmal mit SchĂŒssen in die Luft, manchmal geht eine Patrone aber auch in den Oberschenkel.

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Heute auf der Karte

Hauptsache: FlĂŒchtlinge: SchĂŒsse und Doppelmoral an der EU-Außengrenze

Tagesprogramm: Olympia-Medaillenfeier, BetrugsbekÀmpfung und St. Pöltner Gemeinderat

PflichtlektĂŒre: Ein Jahr Dreier-Koalition: Besser als ihr Ruf

Zahl des Tages: Das EuropĂ€ische Parlament einigte sich auf ein 90-Milliarden-Paket fĂŒr die Ukraine. Reicht es aus?

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HAUPTSACHE

Bulgarien: SchĂŒsse und Doppelmoral an der EU-Außengrenze

Marina Delcheva

Die bulgarisch-tĂŒrkische Grenze wird scharf bewacht – manchmal mit roher Gewalt. Das Vorgehen der bulgarischen Grenzbeamten ist sogar Frontex zu hart. Doch genau das war letzten Endes die Bedingung fĂŒr den Schengen-Beitritt des Landes.

Ein Schuss traf Ahmed (Name von der Redaktion geĂ€ndert, Anm.) in den Oberschenkel. Drei gingen daneben. Sein Vergehen: illegaler GrenzĂŒbertritt und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Letzteres gaben die zustĂ€ndigen bulgarischen Grenzbeamten spĂ€ter jedenfalls zu Protokoll. Ahmed war damals 15. Er soll nach einem illegalen GrenzĂŒbertritt irgendwo in den dicht bewachsenen WĂ€ldern an der bulgarisch-tĂŒrkischen Grenze im Juni 2024 aufgegriffen worden sein und einen Beamten mit einem Stein attackiert haben. Ahmed wurde angeschossen und in der Folge in ein Spital gebracht.

Die TĂŒrkei und Bulgarien liegen auf der FlĂŒchtlingsroute in die EU; beide LĂ€nder trennt heute ein 230 Kilometer langer, mit Stacheldraht und Kameras gesicherter Grenzzaun. Karl Nehammer flog 2023 als Bundeskanzler in einem Hubschrauber mit dem gerade erst zurĂŒckgetretenen bulgarischen PrĂ€sidenten Rumen Radev ĂŒber diesen Grenzzaun. Österreich knĂŒpfte seine Zustimmung zum Schengen-Beitritt von Bulgarien und RumĂ€nien damals an eine bessere Sicherung der EU-Außengrenze. Heute ist Bulgarien Teil des grenzfreien Schengen-Raums – und die Grenze zur TĂŒrkei wird notfalls mit roher Gewalt bewacht.

Im Juni dieses Jahres tritt in Bulgarien der EU-Migrationspakt in Kraft, der die Handschrift des österreichischen EU-Migrationskommissars Magnus Brunner (ÖVP) trĂ€gt: verpflichtende Schnell-Screenings direkt an der EU-Außengrenze, mehr RĂŒckfĂŒhrungen in Drittstaaten oder in die EU-GrenzlĂ€nder sowie eine bessere Verteilung von Asylwerbern. Bulgarien ist damit nicht nur Transitland, sondern Ankunftsland. Darauf ist hier niemand vorbereitet. Der Gesetzesentwurf ist in Begutachtung und wird von zivilgesellschaftlichen Organisationen zerpflĂŒckt. Hauptkritik sind fehlende Infrastruktur und fehlendes Personal fĂŒr die Erstaufnahme, rechtlich heikle Schnellverfahren und die Gefahr zunehmender Gewalt – zumal bulgarische Grenzbeamte schon jetzt alles andere als zimperlich mit Schutzsuchenden umgehen.

Den Fall des angeschossenen minderjĂ€hrigen FlĂŒchtlings dokumentierte die NGO „Mission FlĂŒgel“. „Der Junge hat sich damals an uns gewandt, er wollte eigentlich eine Anzeige gegen die bulgarische Grenzpolizei einbringen“, erzĂ€hlt Diana Dimova, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von „Mission FlĂŒgel“. „Er wurde in einem Krankenhaus versorgt. So konnten wir den Vorfall ĂŒberhaupt dokumentieren und aktenkundig machen.“ Zur Anzeige kam es nie; der Jugendliche und sein Vater zögerten dann doch, gegen die Staatsgewalt vorzugehen.

VorfĂ€lle wie dieser werden selten dokumentiert, aber es gibt sie – und manchmal enden sie tödlich. Am 27. Dezember 2024 erfroren drei Ă€gyptische Jugendliche (15 bis 17) in den WĂ€ldern des sĂŒdöstlichen Strandscha-Gebirges. Internationale NGOs hatten Handyvideos mit den GPS-Daten der jungen Burschen zugeschickt bekommen und an die bulgarischen Behörden weitergeleitet. Die Burschen wurden nicht rechtzeitig gerettet und starben. „Es gibt keine Zahlen dazu, wie viele Menschen an der EU-Grenze sterben und wodurch. Aber es kommt vor, dass junge MĂ€nner aus Nordafrika oder aus Afghanistan in den Leichenhallen nahe der Grenze landen“, erzĂ€hlt Dimova. GeflĂŒchtete berichten zudem von Gewalt und illegalen Pushbacks in die TĂŒrkei, oft nach demselben Muster: SchlĂ€ge, erniedrigendes Ausziehen, Abnahme von Handys und WertgegenstĂ€nden, ZurĂŒckschicken auf die andere Seite des Grenzzauns. Auch Schlepper agieren brutal, lassen Erschöpfte oder Kranke ohne Orientierung zurĂŒck oder werden gewalttĂ€tig.

Zu hart fĂŒr Frontex

Das Vorgehen der bulgarischen Grenzpolizisten ist sogar der EU-Grenzschutzagentur Frontex zu heftig, die selbst wegen fragwĂŒrdiger Vorkommnisse an Außengrenzen in der Kritik steht. Über die erfrorenen Kinder schreibt Frontex in einem vor kurzem veröffentlichten Bericht: „Die bulgarischen Behörden waren verpflichtet, den Migranten zu helfen und sie zu retten; sie verfĂŒgten ĂŒber ausreichende Informationen, die auf eine lebensbedrohliche Situation hindeuteten, kannten den Aufenthaltsort der Migranten und haben – obwohl sie die KapazitĂ€ten gehabt hĂ€tten zu handeln – keine Maßnahmen ergriffen, was zum Verlust von Menschenleben gefĂŒhrt hat.“

Um die 500 Frontex-Mitarbeiter aus allen EU-LĂ€ndern sind regelmĂ€ĂŸig in Bulgarien stationiert – zur UnterstĂŒtzung der Grenzsicherung. In einem Bericht ĂŒber sogenannte „Serious Incident Reports“ von Frontex berichten Mitarbeiter, sie seien von bulgarischen Kollegen unter Druck gesetzt worden, keine Pushbacks oder Menschenrechtsverletzungen zu melden; zugleich schildern sie ein Klima der Angst und EinschĂŒchterung, falls VorfĂ€lle mit GeflĂŒchteten angeprangert werden.

Auf EU-Ebene zĂ€hlt derzeit aber die Zahl jener, die nicht ins Land gelangen. Die GrenzĂŒbertritte nach Bulgarien haben sich im vergangenen Jahr mehr als halbiert. Brutales Vorgehen und massenweise RĂŒckfĂŒhrungen sprechen sich bei Schleppern herum, Routen Ă€ndern sich. Das bulgarische Innenministerium veröffentlicht monatliche Daten ĂŒber registrierte GrenzĂŒbertritte, Unterbringung in Aufnahmezentren und „freiwillige RĂŒckkehren in benachbarte LĂ€nder“. Im Dezember waren es 13.568, wĂ€hrend registrierte Aufgriffe im Land oder an der Grenze nur ein Zehntel davon ausmachen.

„Wir sind in der schizophrenen Situation, einerseits die Außengrenze so gut zu schĂŒtzen, dass niemand mehr hereinkommt. Andererseits die Wahrung der Menschenrechte sicherzustellen“, erklĂ€rt die AnwĂ€ltin Diana Radoslavova vom „Center for Legal Aid“ in Sofia. „Beides geht sich nicht aus, ich sehe das jeden Tag.“ Ihre Organisation ist eine von drei zivilgesellschaftlichen Organisationen, die behördlich autorisiert sind, Rechtsvertretung fĂŒr FlĂŒchtlinge durchzufĂŒhren. Radoslavova hĂ€lt „freiwillige RĂŒckkehren“ oft fĂŒr Pushbacks: „Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein Mensch, der Tausende Kilometer hinter sich hat, am Grenzzaun steht und sich denkt: Da gehe ich jetzt lieber wieder zurĂŒck.“ 

Anfragen zum Vorgehen der Grenzpolizei und Pushbacks blieben seitens der zustĂ€ndigen Migrationsbehörde bis Redaktionsschluss unbeantwortet. „Ich habe das GefĂŒhl, alle verschließen noch die Augen davor, was ab dem Sommer an den Außengrenzen passieren wird. Ich glaube jedenfalls, der Umgang wird noch brutaler, weil hier niemand will, dass das Land zum Auffanglager fĂŒr GeflĂŒchtete wird.“

TAGESPROGRAMM

Was heute passieren wird

Olympia-Medaillenfeier in Innsbruck

In Innsbruck findet ab 16.30 Uhr auf dem Landestheater-Vorplatz die Medaillenfeier des österreichischen Olympia-Teams statt. Auch Vizekanzler Andreas Babler und Sport-StaatssekretĂ€rin Michaela Schmidt (beide SPÖ) nehmen daran teil.

Finanzminister Marterbauer bilanziert BetrugsbekÀmpfung

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), FinanzstaatssekretĂ€rin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) und Christian Ackerler, Vorstand des Amts fĂŒr BetrugsbekĂ€mpfung, informieren in einer Pressekonferenz ĂŒber die Bilanz des Amts im Jahr 2025. Die Arbeit der 2021 gegrĂŒndeten Behörde soll auch zur Budgetkonsolidierung beitragen, indem etwa mehr SteuersĂŒnder erwischt werden. 

St. Pölten: Erste Gemeinderatssitzung nach der Wahl

In St. Pölten konstituiert sich der neu gewĂ€hlte Gemeinderat, der nach der Wahl etwas weniger rot, dafĂŒr vermehrt blau gefĂ€rbt ist. Regiert wird die niederösterreichische Landeshauptstadt allerdings von SPÖ und GrĂŒnen. Die kleinstmögliche Zweierkoalition hĂ€lt 23 der 42 Sitze im Gemeinderat und damit nur eine relativ dĂŒnne Mehrheit.

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HASSPOST

„alter wo lebst du??? die drogen hĂ€tt ich gern“

Von Gerald D. auf Facebook

zum Leitartikel ĂŒber die Dreierkoalition →

PFLICHTLEKTÜRE

Ein Jahr Dreier-Koalition: Besser als ihr Ruf

Von Gernot Bauer, Max Miller und Clemens Neuhold

Selbst kritische Experten stellen der Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos ein passables Zwischenzeugnis aus. Jetzt will sie Fakten schaffen, die auch Kickl-Fans ĂŒberzeugen. Zur Gefahr wird der weitere Sparkurs.

Mehr lesen Sie hier →


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ZAHL DES TAGES

90.000.000.000

Das EuropĂ€ische Parlament einigte sich nach langer Debatte auf ein neues Darlehenspaket fĂŒr die Ukraine: Über die beiden Jahre 2026 und 2027 sollen 90 Milliarden Euro in Tranchen an den Staat ausgezahlt werden. 60 Milliarden gibt es fĂŒr die Verteidigung, 30 Milliarden fĂŒr den ĂŒbrigen Staatshaushalt. Reicht das aus?

Mehr lesen Sie hier →

RANDOM FAKTEN

Wiener Rodelstraßen

In Wien ist Rodeln auf den Straßen eigentlich verboten. Die „Verordnung des Magistrats der Stadt Wien betreffend die Festlegung von Ausnahmen vom Verbot des Rodelns auf bestimmten Straßen im Ortsgebiet von Wien“ besagt allerdings, dass fĂŒnf Straßen – darunter der Draschepark, die Schwenkgasse oder die Eduard Sueß-Gasse – bei einer Mindesthöhe von zehn Zentimetern Schnee ausgenommen sind. Die Straßen können dann fĂŒr Autos gesperrt werden.

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