Zwar sind Kompromisse in der Dreierkoalition oft ein Kraftakt, dennoch brachte die Regierung zuletzt zahlreiche Gesetze und GesetzesÀnderungen durch den Nationalrat. Einige der Neuerungen treten gleich mit Jahresbeginn in Kraft.
Steuern: Neue Trinkgeld-Regelung, teures Rauchen
Schon ab 1. JĂ€nner entfĂ€llt die Umsatzsteuer fĂŒr Periodenprodukte und VerhĂŒtungsmittel - eine finanzielle Erleichterung vor allem fĂŒr Frauen.Â
Eine Regelung, die ebenfalls ab Neujahr gilt, betrifft vor allem BeschĂ€ftigte der Gastronomie: Trinkgeld ist zwar lohnsteuerbefreit, aber sozialversicherungspflichtig. DafĂŒr kommt nun erstmals eine bundesweit einheitliche Pauschale von 65 Euro (mit Inkasso). Sie stellt die Bemessungsgrundlage dar, von der die BeitrĂ€ge fĂŒr die Sozialversicherung berechnet werden.Â
Die vielen Raucherinnen und Raucher dĂŒrfte interessieren, dass ab Februar die Tabaksteuer steigt und ab April auch fĂŒr Nikotinbeutel und Liquids gilt.
Andere Ănderungen sind sehr spezifisch: Erhöht wird etwa der Eingangssteuersatz fĂŒr Zuwendungen an Privatstiftungen: von 2,5 auf 3,5 Prozent. Zudem entfĂ€llt die Möglichkeit zum Vorsteuerabzug bei der Vermietung von Immobilien mit einem Wert ĂŒber zwei Millionen Euro.Â
Energie: Niedrigere Stromkosten, höhere GasnetzgebĂŒhren
Ein wichtiges Versprechen der Regierung war es, die Energiekosten zu senken. Zumindest beim Strom dĂŒrfte das eintreten: Zwar steigen die Stromnetztarife mit 1. JĂ€nner im Schnitt um 1,3 Prozent, doch kommt eine temporĂ€re Wiederabsenkung der ElektrizitĂ€tsabgabe und mit dem ElektrizitĂ€tswirtschaftsgesetz ein Sozialtarif.
Bei den Netzentgelten fĂŒr Strom wird es 2026 erstmals einen Rabatt geben fĂŒr alle, die Strom im Sommer zur Mittagszeit verbrauchen. Der Ăkostromförderbeitrag fĂ€llt 2026 hingegen niedriger aus.
Beim Gas steigen die NetzgebĂŒhren mit Jahreswechsel erneut stark: im Schnitt um 18,2 Prozent.
KĂŒrzungen im Sozialbereich
Viele Ănderungen sind gezeichnet vom Spardruck und bringen damit Einschnitte. Geld in die Staatskassen sollen KĂŒrzungen im Sozialbereich bringen: Zwar plant die Koalition eine bundesweite Reform der Sozialhilfe, doch mehrere BundeslĂ€nder haben bereits fĂŒr 2026 schon schĂ€rfere Regeln beschlossen.
Ab JĂ€nner wird zudem bundesweit der Zuverdienst fĂŒr arbeitslose Personen stark eingeschrĂ€nkt - lautstarke Kritik daran kam aus der freien Kulturszene.
Schulen: Kopftuchverbot und âChancenbonusâ
Strengere Regeln kommen auch in den Bereichen Integration und Bildung: Orientierungskurse fĂŒr GeflĂŒchtete werden statt drei fĂŒnf Tage dauern, am Ende muss eine IntegrationserklĂ€rung unterzeichnet werden.
An Schulen werden ab Herbst KopftĂŒcher fĂŒr MĂ€dchen unter 14 Jahren verboten. Schon nach den Semesterferien soll an den Schulen eine AufklĂ€rungsphase starten.
SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit Deutschförderbedarf mĂŒssen kĂŒnftig verpflichtend die Sommerschule besuchen, âunkooperativen Elternâ drohen Strafen.
Im Falle eines Schulabbruchs muss es ab September ein PerspektivengesprĂ€ch geben. 400 sogenannte Brennpunktschulen bekommen ab Herbst per âChancenbonusâ mehr Personal.
An den Unis kommt ein digitaler Studierendenausweis, erstmals wird ein PsychotherapieâMasterstudium angeboten.
Teilpension kommt, Pflege als Schwerarbeit
Aber nicht nur bei den JĂŒngsten gibt es Ănderungen, etliche Neuerungen betreffen auch das Pensionssystem: Zentral ist die EinfĂŒhrung der Teilpension, die groĂteils die Altersteilzeit ablöst. Weiter ansteigen wird das gesetzliche Antrittsalter von Frauen.
Gute Nachrichten bringt das neue Jahr fĂŒr Personen im Pflegeberuf. Ab 2026 gilt Pflege als Schwerarbeit.Â
Im Gesundheitsbereich wird die Kostenobergrenze fĂŒr eine RezeptgebĂŒhrenbefreiung ab 1. JĂ€nner schneller erreicht. Es werden alle erstattungsfĂ€higen verschriebenen Arzneimittel - auch wenn sie weniger als die RezeptgebĂŒhr kosten.Â
Ab 1. Oktober wird der Eltern-Kind-Pass digitalisiert. Das gelbe Heft hat dann endgĂŒltig ausgedient.
Weiterbildungszeit statt Bildungskarenz
Ănderungen gibt es bei der Krankenversicherung fĂŒr LebensgefĂ€hrten und LebensgefĂ€hrtinnen in Elternkarenz. Bisher mussten durchgĂ€ngige zehn Monate eines gemeinsamen Haushalts nachgewiesen werden, kĂŒnftig ist dieser Nachweis nicht mehr notwendig, wenn sich der Partner oder die Partnerin der Kindererziehung widmet.
Nicht mehr möglich ist die âVerlĂ€ngerungâ der Elternkarenz mit einer Bildungskarenz, die ab Jahresanfang Weiterbildungszeit heiĂt und deutlich eingeschrĂ€nkt wird.
Verkehr: Mehr Geld fĂŒr Pendler, teure Ăffi-Tickets
Der Spardruck ist auch beim Verkehr merkbar: Die motorbezogene Versicherungssteuer fĂŒr Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und die Normverbrauchsabgabe NoVA steigen, Vignette und Ăffi-Tickets werden ebenfalls teurer.
Es gibt aber auch finanzielle Erleichterungen: Der Verkehrsabsetzbetrag steigt auf 496 Euro. Der Pendlereuro verdreifacht. FĂŒr das Laden des E-Firmenautos zu Hause kann 2026 vom Arbeitgeber 32,806 Cent je Kilowattstunde steuerfrei ersetzt werden.
âParkplatz-Abzockeâ wird eingedĂ€mmt
Zudem soll die sogenannte âParkplatz-Abzockeâ eingedĂ€mmt werden, indem Besitzstörungsklagen eingedĂ€mmt werden.
Noch nicht in Gesetze gegossen, aber angekĂŒndigt, sind strengere Regeln fĂŒr E-Bikes, E-Scooter und E-Mopeds sowie MaĂnahmen gegen die sogenannte âShrinkflationâ. Die EU-Lohntransparenzrichtlinie und der EU-Migrationspakt mĂŒssen umgesetzt werden. AuĂerdem könnte es 2026 Bewegung in Sachen Medienförderung, Bundesstaatsanwaltschaft und Wehrpflicht geben.Â