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Das FrĂŒhstĂŒck: Die g’scheite Unterlage fĂŒr den Tag
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Das FrĂŒhstĂŒck

Die g’scheite Unterlage fĂŒr den Tag

Guten Morgen!

Ich war gerade drei Wochen auf Urlaub – es ist viel passiert. Ich bin das erste Mal quasi in einem Waldbrand gesessen und meine Tante ist bei einem grĂ¶ĂŸeren Legionellenausbruch in Linz verstorben, worĂŒber komischerweise keiner laut redet. Die Kollegen recherchieren bereits, was da los ist – und wer die Verantwortung fĂŒr derartige InfektionsausbrĂŒche mit Todesfolge oder schwerer Erkrankung trĂ€gt. Das lesen Sie dann im nĂ€chsten profil, also ab morgen Mittag im E-Paper.


Das mit der politischen Verantwortung ist in diesem Land sowieso so eine Sache, wie Sie wissen – die wird oft nur ungern wahrgenommen, wenn es unangenehm wird. Das sieht man auch an anderer Stelle gerade wieder sehr deutlich. Das muss man sich mal vorstellen: Da schickt das Verteidigungsministerium doch tatsĂ€chlich eine Mail an alle Soldaten, um sie vor 21 russischen Spionen zu warnen, die als Diplomaten im Land leben. Mit Foto und Namen. So gefĂ€hrlich sind die. Man sollte glauben, dass diese Personen sofort des Landes verwiesen werden, oder?

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Heute auf der Karte

Hauptsache: Russischer Spion in Wien? Noch immer bestes Leben!

Tagesprogramm: Maßnahmen gegen Extremismus, Prozesse gegen Amtsleiter und Arzt, Infos ĂŒber Rechenzentrum

Zahl des Tages: Welcher Wiener Bezirksvorsteher 100.000 Gemeindewohnungen verkaufen will

Zitat des Tages: Warum Benzodiazepine so gefÀhrlich sind

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HAUPTSACHE

Russischer Spion in Wien? Noch immer bestes Leben!

Anna Thalhammer

Das Verteidigungsministerium warnt Soldaten vor russischen Spionen. Das Außenministerium tut trotz aller Lippenbekenntnisse wieder einmal nichts.

„Wir haben in dieser Regierung einen Kurswechsel vollzogen und gehen konsequent gegen Spionage vor“, sagte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger im Mai. Und weiter: „Es ist inakzeptabel, dass diplomatische ImmunitĂ€t genutzt wird, um Spionage zu betreiben.“ Vier Personen wurden vom Außenministerium seither des Landes verwiesen. 

So entschlossen, wie es dargestellt wurde, war dieser Schritt damals nicht. Die Direktion fĂŒr Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) hatte das Außenministerium bereits Monate zuvor ĂŒber Namen und Verdachtslage informiert, wiederholt auf die Dringlichkeit hingewiesen. Es ging damals um eine Satellitenanlage in der „Russen-City“ im 22. Bezirk, die recht offensichtlich fĂŒr Spionage verwendet wurde. Wenn das Personal das Land verlassen muss, wĂ€re auch die Anlage nicht mehr zu betreiben, so die Idee der DSN. Dennoch hat es lange gedauert, bis das Außenministerium diese Personen schließlich wirklich auswies. 

Eigentlich kam erst Bewegung in die Sache, als die Staatsanwaltschaft aktiv wurde – der Druck auf das Außenministerium war damit hoch. Zu hoch, um zuzuschauen. Aber immerhin: Ein erster Schritt war gemacht. 

EnttÀuschenderweise folgt schon wieder kein zweiter.

Die Namen der ausgewiesenen Russen waren damals nur ein Teil einer ganzen Liste von Personen, die Österreichs Dienste als russische Spione wertet. Darauf finden sich auch etwa jene 21 in Österreich akkreditierten russischen Diplomaten, vor denen das Verteidigungsministerium vergangene Woche seine eigenen Leute warnte. An Tausende Angehörige des Bundesheers – darunter auch Milizsoldaten – ging ein Rundmail mit Fotos und Namen dieser Personen. Die EmpfĂ€nger wurden aufgefordert, sich beim Abwehramt zu melden, sollten diese Diplomaten Kontakt gesucht, Fragen gestellt oder versucht haben, an Informationen zu gelangen – oder im schlimmsten Fall gar jemanden anzuwerben.

Alte Bekannte

Diese Personen waren nicht nur Österreichs Behörden bekannt - „Agentstvo“, ein unabhĂ€ngiges, russisches Exilmedium, veröffentlichte sie obendrein vor etwa einer Woche auf ihrer Plattform. Das Verteidigungsministerium hatte damit leichtes Spiel, einen Schneeballeffekt zu produzieren: Man verbreitete noch einmal, was ohnehin schon in der Öffentlichkeit war, ohne den mĂŒhsamen, diplomatischen Weg ĂŒber das Außenministerium gehen zu mĂŒssen, um etwas zu bewirken. Vielleicht hatte man beim Versenden der Mail im Hinterkopf, dass sich unter den Milizsoldaten auch Journalisten befinden – vielleicht hoffte man insgeheim auf eine weitere Veröffentlichung.

Der Plan funktionierte: Die Medien sprangen auf, man richtete damit den Scheinwerfer auf Personen, die darauf angewiesen sind, möglichst unbeobachtet zu arbeiten. Wer mit Foto und Namen durch österreichische Redaktionen und Kasernen zirkuliert, hat es bei der diskreten Kontaktanbahnung eher schwer – gleichzeitig werden Soldatinnen und Soldaten sowie Öffentlichkeit sensibilisiert. Nach profil-Informationen sind beim Abwehramt auch schon etliche Meldungen eingelangt, die nun ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssen. 

Aber eine zentrale Frage bleibt: Wenn diese Personen angeblich so gefĂ€hrlich sind, dass das Verteidigungsministerium sogar alle seine Soldaten per Rundmail warnt – warum schmeißt das Außenministerium diese Personen nicht sofort aus dem Land?

Auf profil-Anfrage heißt es seitens des Außenministeriums, dass man erstmals aus den Medien von den angeblichen russischen Spionen erfahren habe, dass dem Ministerium keine derartige Liste vorgelegt wurde. Weiters habe man keine Kenntnis zu strafrechtlich relevanten VorgĂ€ngen, heißt es in der Stellungnahme. Und: „Sollten dem BMEIA seitens der Sicherheits-, Ermittlungs- oder Justizbehörden Nachweise fĂŒr strafrechtlich relevante AktivitĂ€ten von in Wien akkreditierten Diplomaten vorgelegt werden, wird das BMEIA die notwendigen Schritte setzen.“

Das große Zaudern

Das ist eine interessante Haltung, die in Westeuropa auch ziemlich einzigartig ist: In Großbritannien wird rigoros gegen Personen und Netzwerke vorgegangen, die russischer Spionage zugerechnet werden. Wie ernst man es dort nimmt, zeigte zuletzt auch der Prozess gegen eine bulgarische Spionagezelle, die im Umfeld von Jan Marsalek tĂ€tig gewesen sein soll. Österreich: Der wegen Spionage in erster Instanz verurteilte Egisto Ott ist nicht in U-Haft – ebenso wenig jene bulgarische Spionin, die mich fĂŒr Russland verfolgte und das sogar zugegeben hat. Gegen sie liegt noch immer kein Strafantrag vor.

In Frankreich oder Italien wird in VerdachtsfĂ€llen ebenfalls kurzer Prozess gemacht – von den ehemaligen Ostblock-LĂ€ndern ganz zu schweigen, die hypersensibilisiert sind. Schauen wir nach Deutschland: Russische diplomatische PrĂ€senz wurde massiv reduziert, Konsulate geschlossen. Österreich? Hat noch immer die wohl grĂ¶ĂŸte russische Botschaft Europas – nicht einmal das Konsulat in Salzburg wurde geschlossen. Obwohl hinlĂ€nglich bekannt ist, dass Konsulate niederschwellige Einfallstore fĂŒr SpionageaktivitĂ€ten sind. 

Hierzulande tut man dann so, als ob ein letztgĂŒltiger strafrechtlich relevanter Beweis notwendig wĂ€re, um handeln zu können – am besten ein Fax von Wien nach Moskau oder so etwas. Nur: Es ist nicht nur weltfremd zu glauben, so etwas zu bekommen – sondern auch schlicht eine faule Ausrede: Es bleibt bei gut klingenden Lippenbekenntnissen der Regierung, wollte man wirklich etwas Ă€ndern, wĂŒrde die Vorgehensweise eine andere sein. 

Russia loves you

Man muss sich fragen: Warum fehlt der Schneid? FĂŒrchtet man sich? Redet man sich ein, dass einem das Zaudern eines Tages doch zugute kommt, der Wind sich noch dreht? Findet man es womöglich doch nicht schlimm, dass Österreich fĂŒr Russland noch immer ein wichtiger Boden ist? Nicht umsonst ist der langjĂ€hrige russische Botschafter nun stellvertretender russischer Außenminister – und auch der neue Botschafter ist nicht irgendwer. Nicht umsonst trafen hier Anfang Juli frĂŒhere russische FunktionĂ€re mit hochrangigen ehemaligen Diplomaten und Sicherheitsbeamten aus UK, Frankreich und Deutschland zusammen, um bilateral ĂŒber mögliche FriedensplĂ€ne fĂŒr die Ukraine zu sprechen. 

Die Ukraine war ĂŒbrigens nicht vertreten. Österreich aber auch nicht – so ernst werden wir genommen.

Es ist ein weiterer Beleg, dass unser Grund und Boden fĂŒr AktivitĂ€ten genutzt wird, die außerhalb unseres Einflusses liegen. Das kann toleriert werden, solange fĂŒr die BĂŒrger dieses Landes keine Gefahr besteht. Putin aber hat Österreich in seinem hybriden Krieg schon mehrfach angegriffen – mittels Hackerattacken, Spionage und Desinformation. 

Die Bundesregierung hat den Auftrag, ihre BĂŒrger bestmöglich zu schĂŒtzen. 

Gelinde gesagt, zweifle zumindest ich daran, dass sie das auch mit allen Mitteln tut.

TAGESPROGRAMM

Was heute passieren wird

Innenministerium prĂ€sentiert Maßnahmen gegen Extremismus und KriminalitĂ€t bei Jugendlichen

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), DSN-Chefin Sylvia Mayer, LandespolizeivizeprĂ€sident Dieter Csefan und StaatssekretĂ€r Jörg Leichtfried (SPÖ) haben fĂŒr heute eine gemeinsame Pressekonferenz angekĂŒndigt, in der sie Maßnahmen gegen Extremismus und KriminalitĂ€t bei Jugendlichen prĂ€sentieren wollen. 

Amtsleiter in Eisenstadt, Arzt in Krems vor Gericht

Am Landesgericht Eisenstadt wird heute der Prozess gegen einen mittlerweile suspendierten Amtsleiter aus dem Nordburgenland fortgesetzt. Der 61-JĂ€hrige soll Baubescheide ohne Genehmigung durch die BĂŒrgermeisterin ausgefertigt haben. Ihm wird Amtsmissbrauch vorgeworfen. In Krems muss sich unterdessen ein Arzt wegen grob fahrlĂ€ssiger Tötung an einem Baby vor Gericht verantworten. Er soll einen Kaiserschnitt zu spĂ€t durchgefĂŒhrt haben.

Rechenzentrum Kronstorf: Kaineder-Pressekonferenz

FĂŒr Googles Mega-Projekt in Oberösterreich sollen bis zu 200 Liter pro Sekunde aus der Enns entnommen werden dĂŒrfen, und dann erwĂ€rmt zurĂŒckfließen. DarĂŒber berichtete auch profil. FĂŒr heute hat der oberösterreichische Umweltlandesrat Stefan Kaineder (GrĂŒne) eine Pressekonferenz unter dem Titel „Google Kronstorf - Transparenz statt Versteckspiel – Fakten zur wasserrechtlichen Bewilligung fĂŒr das kĂŒnftige Rechenzentrum“ angekĂŒndigt.

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PFLICHTLEKTÜRE

Wasser, Brot und DĂŒrre: Was dieser Sommer in Österreich verĂ€ndert

Von Clara Peterlik

In Österreich verdorrt die Ernte auf den Feldern. Weizen und Wasser sind knapp – es geht um existenzielle Fragen. Wird Weizen auf österreichischen Feldern zur Ausnahme?

Mehr lesen Sie hier →


ZAHL DES TAGES

100.000

Der soziale Wohnbau ist das Heiligtum der Wiener SPÖ. Die Partei ist stolz auf 220.000 Gemeindewohnungen im stĂ€dtischen Besitz. Doch der DonaustĂ€dter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy kann sich einen Abverkauf von ĂŒber 100.000 Gemeindewohnungen vorstellen. Entsprechende Aussagen sind in einem GesprĂ€chsprotokoll einer MĂ€nnerrunde dokumentiert, das bereits zum RĂŒcktritt des Wiener WirtschaftskammerprĂ€sidenten Walter Ruck gefĂŒhrt hat – enthĂŒllt von profil.

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ZITAT DES TAGES

„Über Kokain wissen wir mehr als ĂŒber Benzodiazepine.“

Martin Busch

Abteilungsleiter des Kompetenzzentrums Sucht bei der Gesundheit Österreich GmbH

In psychischen Krisen helfen Benzodiazepine ganz schnell, machen aber ebenso schnell abhĂ€ngig. Betroffene erzĂ€hlen, wie man in die Sucht hineinrutscht – und wieder herausfindet.

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RANDOM FAKTEN

Heilige Orte

Sind diese Orte besonders heilig? Insgesamt gibt es in Österreich 153 Ortschaften mit „Sankt“ im Namen. 18 Ortsnamen mit Bezugnahme auf Maria gibt es laut Angaben der Katholischen Kirche. Der Drachentöter und Nothelfer Georg ist demnach der beliebteste Heilige in Österreich – er darf am hĂ€ufigsten als Namenspatron fĂŒr Ortschaften herhalten.

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