Ein grĂŒner Transporter steht vor dem Eingangstor. Die TĂŒren des Forsthauses sind weit geöffnet. Normalerweise lĂ€sst sich von der ForststraĂe aus nicht in den Innenhof blicken. DafĂŒr mĂŒsste man eigentlich einen der beiden TĂŒrme der gegenĂŒberliegenden Burgruine besteigen. An diesem Tag im August ist das anders. Es ist laut. MĂ€nner gehen ein und aus, tragen Kisten und allerlei Dinge, die sich dort ĂŒber Jahrzehnte angesammelt haben. Mittendrin: RenĂ© Schimanek.Â
Der frĂŒhere BĂŒroleiter von NationalratsprĂ€sident Walter Rosenkranz ist im Umzugsstress. Vor kurzem hat das Landesgericht Krems entschieden, dass die Familie Schimanek das Forsthaus Kronsegg endgĂŒltig rĂ€umen muss. Nach mehr als 50 Jahren geht die Immobilie damit zurĂŒck an die Gemeinde Langenlois. Es ist das vorlĂ€ufige Ende einer Geschichte, die 1976 beginnt und in der das kleine Forsthaus unterhalb der Burgruine zu einem der prĂ€gendsten Orte der rechtsextremen Szene in Ăsterreich wurde.
Am 16. Mai 1976 zieht die Familie Schimanek in das damals verlassene Forsthaus ein. Vater Hans Jörg Schimanek senior, Mutter Helga Absender und die beiden Söhne Hans Jörg junior und RenĂ©, damals 13 und sieben Jahre alt. SpĂ€ter verbringen auch die Enkel Jörg und Jörn, die Söhne von Hans Jörg junior, ihre Sommer dort. Die ersten 15 Jahre zahlt die Familie keine Miete. DafĂŒr verpflichtet sie sich, das Haus instand zu setzen. Ab 1991 werden 2000 Schilling monatlich fĂ€llig, plus Betriebskosten und Mehrwertsteuer. So steht es im Mietvertrag, der profil vorliegt. Es hĂ€tte eine ganz gewöhnliche Familiengeschichte sein können. Doch mit den Schimaneks kam eine Geschichte nach Langenlois, die bald weit ĂŒber das Haus am Waldrand hinausreichen sollte.
WehrsportĂŒbungen. Neonazis mit Springerstiefeln und kahlrasierten Köpfen. Hausdurchsuchungen. Waffenfunde. Und immer wieder taucht der Name Schimanek auf. Hans Jörg junior wird Anfang der 1990er-Jahre erstmals wegen WiederbetĂ€tigung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Mittlerweile hat er diese abgebĂŒĂt. Im Februar 2026 folgt eine weitere Verurteilung, nachdem in seiner Wiener Wohnung NS-Devotionalien gefunden wurden. Im November 2024 geraten seine Söhne ins Visier des deutschen Verfassungsschutzes. Die deutsche Bundesanwaltschaft lĂ€sst in Deutschland und Polen acht mutmaĂliche Mitglieder der Gruppe âSĂ€chsische Separatistenâ festnehmen, einer rechtsextremen terroristischen Vereinigung, die nach der Eroberung von Gebieten in Ostdeutschland am selbsternannten âTag Xâ von Deutschland ins Forsthaus nach Kronsegg fliehen wollte. Ihre RĂ€delsfĂŒhrer: Jörg und Jörn Schimanek.
Dutzende NS-Devotionalien
Wenige Tage nach den Festnahmen findet im Haus eine Razzia statt. Ermittler stoĂen auf Dutzende NS-Devotionalien, darunter eine Hitler-BĂŒste und Spielzeug-Lkw mit Aufschriften wie âAuschwitz-Birkenau-Expressâ oder âWeltweit ĂŒber 6 Millionen zufriedene Kundenâ.Â
Im Dezember 2024 stirbt Hans Jörg Schimanek senior. Sein Sohn RenĂ© lĂ€sst spĂ€ter eine Parte fĂŒr seinen Vater veröffentlichen. Darauf sind das in rechtsextremen Kreisen verwendete âIrminsulâ-Symbol und der Spruch â⊠und ewig lebt der Toten Tatenruhmâ zu sehen. Die Formulierung wurde im Nationalsozialismus verwendet, um gefallene Soldaten als Helden zu verherrlichen. SpĂ€ter wird auch RenĂ© dafĂŒr wegen WiederbetĂ€tigung verurteilt.
FĂŒr die Gemeinde Langenlois ist damit eine Grenze erreicht. BĂŒrgermeister Harald Leopold (ĂVP) bringt noch im selben Jahr eine RĂ€umungsklage ein. Die Schimaneks sollen weg, endgĂŒltig. Doch die Sache zieht sich. Nach dem ersten Urteil des Bezirksgerichts Krems geht das Verfahren im JĂ€nner 2026 in die nĂ€chste Instanz. RenĂ© Schimanek, damals noch FPĂ-Stadtrat in Langenlois, legt Berufung ein. Die KĂŒndigung selbst ficht er jedoch nicht an. Stattdessen bestreitet er, jemals Mieter des Forsthauses gewesen zu sein. Im Mietvertrag aus 1991 ist noch sein Vater, Hans Jörg Schimanek senior, als Mieter eingetragen, RenĂ© Schimanek sah sich deshalb nicht als Mieter des Hauses.
Im Rathaus war man anderer Meinung. Die Gemeinde legte dem Landesgericht Krems daraufhin einen Gemeinderatsbeschluss aus den frĂŒhen 2000er-Jahren vor. Das Dokument liegt auch profil vor. Darin geht es um einen Antrag von RenĂ© Schimanek, der um die Bewilligung fĂŒr den Umbau eines angrenzenden Schuppens angesucht hatte. So sollte zusĂ€tzlicher Wohnraum von rund 12,5 Quadratmetern entstehen. RenĂ© Schimanek wird darin als âMieter des Hauses bei der Ruine Kronseggâ bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt lebte er bereits gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Forsthaus.
Das und die Vergangenheit der Familie dĂŒrften fĂŒr die Justiz ausschlaggebend gewesen sein. Am 14. Juli 2026 gibt das Landesgericht Krems dem erstinstanzlichen Urteil Folge. Schimaneks Berufung bleibt damit erfolglos. Er muss das Haus bis Mitte September verlassen. Laut dem Landesgericht Krems heiĂt es auf Anfrage von profil, die Gemeinde Langenlois âhabe sich zu Recht auf Paragraf 1118 ABGB gestĂŒtzt, wonach ein erheblich nachteiliger Gebrauch zur Auflösung des BestandverhĂ€ltnisses berechtigeâ. Das Gericht begrĂŒndete seine Entscheidung damit, dass durch âdie Einbringung von erheblichen Mengen an Munition und NS-Devotionalienâ und âmit darauffolgender (auch) internationaler Berichterstattungâ der âRuf und wirtschaftliche Interessenâ der Gemeinde âmassiv beeintrĂ€chtigtâ wurden. Aus diesem Grund ist âein erheblich nachteiliger Gebrauchâ gegeben. âAuf ein Verschulden oder eine Strafbarkeit dieses Verhaltens komme es nicht anâ, heiĂt es.
Was wird aus dem Forsthaus?
Das Urteil ist nicht rechtskrĂ€ftig, da Schimanek theoretisch noch eine auĂerordentliche Revision beim Obersten Gerichtshof einlegen könnte. Doch er habe bereits angekĂŒndigt, das nicht zu tun, sagt BĂŒrgermeister Leopold zu profil: âIch nehme an, er wird sein Wort halten.â Schimanek soll angegeben haben, bis Ende August ausgezogen zu sein. Am vergangenen Freitag sah es jedenfalls danach aus. RenĂ© Schimanek wollte auf Anfrage von profil keine Stellung dazu nehmen. Er selbst hat nach seiner Verurteilung und dem RĂŒcktritt als FPĂ-Stadtrat in Langenlois bei der Parteiakademie in Wien angedockt. Seinen Wohnort hat er fĂŒr seinen neuen Posten nicht gewechselt, er lebt weiterhin in Langenlois.
Was aus dem Forsthaus wird, ist noch offen. DarĂŒber muss der Gemeinderat entscheiden. Ideen gibt es bereits, auch Interessenten, die das Haus kĂŒnftig als Mieter beziehen wollen. Vielleicht wird aus dem Forsthaus also tatsĂ€chlich noch das, was es einmal hĂ€tte sein können: ein ganz gewöhnliches Haus. FĂŒr die Langenloiser wĂ€re das schon einiges.
Jetzt werden die Kisten hinausgetragen. Und mit ihnen könnte auch ein StĂŒck dieser Geschichte aus dem Haus verschwinden.